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5250 Euro Schadensersatz für abgebrochene 1-Euro-eBay-Auktion

12.11.2014 | 12:31 Uhr |

Ein Auto-Verkäufer, der seinen alten VW Passat bei eBay für 1 Euro Mindestgebot zur Versteigerung angeboten hat, muss 5250 Euro Schadensersatz bezahlen. Weil er die Auktion vorzeitig abgebrochen hat.

Wer bei eBay ein Auto zur Versteigerung anbietet, muss es dort auch verkaufen. Und kann die Versteigerung nicht vorzeitig abbrechen. So lässt sich das Fazit aus diesem Rechtsstreit zusammenfassen:

Ein Auto-Besitzer bot seinen VW Passat auf eBay zur Versteigerung an. Für das Mindestgebot von 1 Euro. Doch nach einigen Stunden überlegte er es sich anders und beendete die Auktion.

Doch mittlerweile hatte bereits ein Interessent den geforderten Euro für den alten Volkswagen geboten. Und 555,55 Euro als Preisobergrenze für sein Gebot festgelegt. Es handelte sich also ganz offensichtlich um ein ernst gemeintes Gebot. Bis zum Abbruch der Auktion blieb dieses Gebot das höchste.

Der Besitzer des VW Passat teilte dem Bieter nach Abbruch der Auktion mit, dass er außerhalb von eBay einen Käufer für das Fahrzeug gefunden habe, der 4200 Euro bezahlen würde. Deshalb habe er die Versteigerung beendet.

Der Bieter gab sich mit dem Abbruch der Auktion aber nicht zufrieden und zog vor Gericht. Er forderte Schadensersatz „wegen Nichterfüllung des nach seiner Ansicht wirksam zu einem Kaufpreis von 1 € geschlossenen Kaufvertrags und macht geltend, der Pkw habe einen Wert von 5.250 Euro".

Der Bieter bekam nun in letzter Instanz vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe Recht (Aktenzeichen VIII ZR 42/14). Der BGH entschied, dass der Versteigerer dem Bieter Schadensersatz zahlen müsse. Weil ein rechtskräftiger Vertrag zustande gekommen sei.

Die Begründung des BGH: "Bei einer Internetauktion rechtfertigt ein grobes Missverhältnis zwischen dem Maximalgebot des Käufers und dem Wert des Versteigerungsobjekts nicht ohne Weiteres den Schluss auf eine verwerfliche Gesinnung des Bieters im Sinne von § 138 Abs. 1 BGB. Es macht gerade den Reiz einer Internetauktion aus, den Auktionsgegenstand zu einem "Schnäppchenpreis" zu erwerben, während umgekehrt der Veräußerer die Chance wahrnimmt, einen für ihn vorteilhaften Preis im Wege des Überbietens zu erzielen. Besondere Umstände, aus denen auf eine verwerfliche Gesinnung des Klägers geschlossen werden könnte, hat das Berufungsgericht nicht festgestellt."

Die vorausgegangenen Instanzen sahen das übrigens genauso. Wer also bei eBay ein Auto für nur 1 Euro Mindestgebot anbietet, muss auch bereits sein, dieses Gebot zu akzeptieren. Andernfalls muss der Versteigerer eben ein höheres Mindestgebot festlegen.

Da der Wert des VW Passat auf 5250 Euro festgelegt wurde, muss der verklagte Versteigerer diese Summe an den klagenden Bieter zahlen. Abzüglich des einen Euro Mindestgebot.

Für den Auto-Besitzer wird die abgebrochene Auktion also richtig teuer. Denn zum Schadensersatz kommen noch die Gerichtskosten vor dem BGH dazu.

eBay: Vorsicht bei Selbstabholern!

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