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Softwareentwickler – gefragt wie nie

09.01.2008 | 11:48 Uhr |

Der Mangel an Informatikern und Ingenieuren hat 2007 noch einmal zugenommen. Fast 30 000 Stellen wurden ausgeschrieben.

"Fachkräftemangel" gehörte im vergangenen Jahr zu den am meisten gebrauchten Vokabeln in der Hightech-Branche. Der Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten zeigte sich zumindest aus Sicht der Bewerber von seiner besten Seite: Vor allem junge Kandidaten mit einem Informatikstudium hatten - und haben auch in diesem Jahr - beste Aussichten auf einen gut bezahlten Job.

Die große Nachfrage hält seit vier Jahren an. In absoluten Zahlen bedeutet das: Im Jahr 2004 waren 16 673 IT-Arbeitsplätze ausgeschrieben, im Jahr darauf 20 961, 2006 dann 25 412 und im vergangenen Jahr 29 344. Adecco hat diese Ergebnisse durch Auswertung der Inserate in 40 Tageszeitungen und der COMPUTERWOCHE ermittelt.

Die meisten IT-Experten suchten 2007 mit 7473 freien Stellen nach wie vor die Beratungs- und Softwarehäuser. Der Zuwachs beträgt allerdings – wie im Vorjahr auch - nur zehn Prozent, nachdem er 2005 noch 50 Prozent gegenüber 2004 ausgemacht hatte. Am stärksten gestiegen ist der Bedarf im Maschinen- und Fahrzeugbau. Dort wuchs die Zahl der Jobangebote von 3271 auf 4538. Mehr Positionen wurden außerdem im öffentlichen Dienst (2830, Vorjahr 2423), in Konstruktionsbüros (2693, Vorjahr 1910) und der Elektrotechnik ausgeschrieben. Wenig Bewegung ist dagegen bei den Finanzdienstleistern zu beobachten, obwohl Arbeitsmarktexperten der Meinung sind, dass vor allem die Banken ihre Umstrukturierungen und Reorganisationen hinter sich haben und wieder zunehmend Interesse an IT-Fachleuten bekunden. Nur wenige neue IT-Experten haben auch die Chemie-, Konsumgüter- sowie die Telekommunikationsindustrie eingestellt.

Der Sieger von 2006 – die Zeitarbeitsfirmen – legen, was die Vermittlung von IT-Profis angeht eine kleine Verschnaufpause ein: Die Offerten gingen von 1325 auf 1186 zurück. Über alle Berufe hinweg haben laut Adecco die Offerten der Zeitarbeitsfirmen in einem Vier-Jahres-Vergleich um 180 Prozent zugelegt vor dem Maschinenbau mit 140 Prozent und der Bauindustrie (100 Prozent).

Recht eindeutig beantworten lässt sich die Frage nach dem verlangten Ausbildungsprofil: Arbeitgeber wünschen sich für IT-Jobs in erster Linie Ingenieure und Informatiker. In über der Hälfte der Anzeigen wurde ein solcher Abschluss erwartet. Überraschend wenig Interesse gibt es an Wirtschaftsinformatikern. Ihnen gelten lediglich drei Prozent der Offerten, in zwei Prozent der Fälle sollten es Betriebswirte sein, und erst dann folgen Mathematiker und Physiker. Ob die Unternehmen die gewünschten Kandidaten auch tatsächlich bekommen, steht auf einem anderen Blatt. Trainee- und Einarbeitungsprogramme nehmen jedenfalls zu, und die Industrie gibt auch Nichtinformatikern wieder eine Chance, vorausgesetzt, sie können ihre IT-Affinität anhand praktischer Erfahrungen nachweisen.

Von den Berufen steht der Anwendungsentwickler ganz oben auf der Wunschliste der Arbeitgeber. Allein 6534 Offerten erschienen für Programmierer, über 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch stärker stieg das Interesse an Internet-Spezialisten, wenn auch auf geringerer Basis. Nach 662 Stellen im Jahr 2005 und 893 ein Jahr darauf wurden 2007 in diesem Bereich 1265 freie Positionen ausgeschrieben. Größer als 2006 war auch das Interesse an Netz-, Datenbank- sowie Systemspezialisten. Leicht zurückgegangen ist dagegen das Angebot für Verkäufer und Organisatoren.

Im Widerspruch zu den Verlautbarungen der Arbeitgeberverbände steht eine andere Zahl. Nicht einmal ein Prozent der Stellen wird in Teilzeit angeboten. Der Traum von der Work-Life-Balance oder der Chance, sich verstärkt um den Nachwuchs oder auch um Hobbies zu kümmern, lässt sich kaum in dieser Branche umsetzen.

Die meisten IT-Stellen wurden 2007 erneut in Bayern angeboten. Der Freistaat hat seine Position als attraktivste Region in den vergangenen Monaten sogar ausgebaut. Mittlerweile entfallen ein Fünftel der Angebote (5645 Offerten) auf das südlichste Bundesland. Es folgen Baden-Württemberg mit 15 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit zwölf Prozent. (hk)

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