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Citigroup bei Stellenstreichungen gnadenlos

14.11.2008 | 13:49 Uhr |

Die Pläne für eine Restrukturierung der Bank kosten 10 000 Mitarbeiter den Job und lässt die Aktie um 7 Prozent steigen.

Die US-Bank Citigroup will noch in dieser Woche damit beginnen, insgesamt 10.000 Mitarbeitern vorrangig aus der Investmentbanking-Sparte die Kündigung auszusprechen. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Citi-Chief-Executive Vikram Pandit berichtet, sollen neben diesen "pink slips" aber auch die Zinssätze für Millionen von Kreditkartenkunden angehoben werden. Mit der Umsetzung dieser Vorhaben will das Management die Profitabilität des Unternehmens stärken. Dies ist Analysten zufolge auch dringend nötig. So musste die Citi allein im vergangenen Jahr einen Verlust von über 20 Mrd. Dollar hinnehmen. Die Anleger heißen die Pläne für gut. Bei Redaktionsschluss dieser Meldung (11:17 Uhr) notiert die Aktie in Frankfurt mit 7,16 Prozent im Plus bei 7,63 Euro.

"Die internationale Finanzmarktkrise hat nicht nur bei den Finanzdienstleistern, sondern auch bei den Industrieunternehmen zu einem Umdenken geführt. So werden Geschäftsmodelle auf ihre Rentabilität überprüft und gegebenenfalls auf die eigene Kernkompetenz reduziert", sagt Frank Wohlgemuth, Bankenanalyst bei der BayernLB . Obwohl die Verschlankungsprozesse dem Experten nach stark vom Einzelfall und der Branche abhängen, scheinen die aktuellen Entlassungen volkswirtschaftlich gesehen eine weitere Belastungsprobe für die ohnehin geschwächte Weltkonjunktur zu sein. Laut dem Bericht hat Pandit im Zuge der Einsparungen bereits die Personalverantwortlichen davon in Kenntnis gesetzt, die Ausgaben für die Angestellten um mindestens 25 Prozent zu senken.

Dass es zu einer weiteren Aufstockung der Entlassungen kommt, gilt in der Branche eher als unwahrscheinlich. Schließlich könnten die Citi-Personaler Kosten einsparen, indem sie hoch bezahlte Händler und Banker entlassen würden. Laut Citi-Sprecherin Christina Pretto werde man die langfristigen Ziele sowohl auf die aktuelle Finanzmarktlage als auch in Hinblick auf die Beschäftigungsstruktur anpassen. Eigenen Angaben nach gehört zu der Neuorganisation ebenfalls, dass die Zinsen für Mio. von Kreditkartenkunden um drei Prozentpunkte angehoben werden. Die Gerüchte, dass Citi-Chairman Win Bischoff zur Disposition steht und angeblich intern überlegt wird, dessen Posten neu zu besetzen, wies der Konzern unterdessen als "komplett falsch" zurück. Die Zinsanpassungen betreffen hingegen rund 54 Mio. Karten.

Ob die Einsparungen ihren Effekt erzielen werden, bleibt Analysten zufolge abzuwarten. Die Zinsanhebungen im Kreditkartenbereich kommen nicht von ungefähr. Obwohl die Citi einer der weltweit größten Kreditkartenemittenten ist, musste die Sparte im dritten Geschäftsquartal einen Verlust von 902 Mio. Dollar verkraften. Noch im Vorjahreszeitraum erzielte das Institut einen Gewinn von rund 1,4 Mrd. Dollar. Unter der Führung Pandits, der im Dezember 2007 das Amt des CEO übernommen hatte, wurden in den vergangenen vier Quartalen schon rund 23.000 Stellen gestrichen. Per Ende September dieses Jahres beschäftigte der Finanzkonzern insgesamt etwa 352.000 Angestellte. Laut dem Bericht strebt Pandit für das kommende Jahr an, die Angestelltenzahl auf 290.000 zu reduzieren. (pte/jp)

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