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1&1 hostet Groupware-Lösung auf Open-Xchange-Basis

28.02.2007 | 09:56 Uhr |

Ein neues Angebot soll kleineren Unternehmen und Freiberuflern die Teamarbeit per Web einfach machen.

Groupware und Dokumenten-Management als gehostetes Paket umfasst "MailXchange" von der 1&1 Internet AG. Es wurde gemeinsam mit der Nürnberger Open-Xchange GmbH entwickelt und basiert auf deren gleichnamiger Collaboration-Lösung. Die Offerte richtet sich in zwei unterschiedlich umfangreichen Sets für jeweils vier verschieden große Anwendergruppen an allein agierende Freiberufler oder Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern. Als Services bereitgestellt und gespeichert werden alle Dienste beziehungsweise Daten im Hochleistungsrechenzentrum von 1&1.

Der Titel MailXchange ist eine unglücklich gewählte Untertreibung des wahren Angebots: Es funktioniert über ein Portal, dessen Benutzeroberfläche jeder aktuelle Browser anzeigt. Über dieses haben Anwender Zugriff auf E-Mails, Zeitplaner, Adressen, Aufgaben und auch Dokumente. Dabei kann der Endanwender jeweils selbst entscheiden, ob seine elektronische Post, Termine, Kontakte und To-do-Listen lediglich in seinem privaten Ordner erscheinen oder für andere Nutzer - natürlich nur die in seiner Domain - auch in öffentlichen Verzeichnissen zu sehen sind.

Dabei ist es auch möglich, verschiedene Dokumente zentral abzulegen und zu verwalten. Die Anwender können zu ihnen Kommentare hinterlegen. Dabei wird eine Dokumentenhistorie gespeichert, um sicherzustellen, dass alle mit derselben Version einer Textdatei, Kalkulationstabelle oder Firmenpräsentation arbeiten. Statt voluminöser Mail-Anhänge verschicken die User nur noch einen so genannten Infostore-Link, wo sich ein Dokument befindet. Als gehostete Lösung lässt sich das Ganze nicht nur im Büro, sondern auch zuhause oder unterwegs verwenden.

Diese Funktionen erweitert noch das "Premium"-Angebot von MailXchange. Hier ist der Zugriff auf Dokumente auch per WebDAV mittels Windows Explorer möglich. Außerdem sorgt der "OXtender" von OpenXchange für die Möglichkeit, die Lösung in Microsofts "Outlook" einzubinden. Damit kann man offline E-Mails, Kontakte, Termine und Aufgaben bearbeiten, die beim nächsten Log-in mit dem MailXchange-Server automatisch synchronisiert werden.

Die Basis- und die Premium-Version von MailXchange gibt es jeweils in den Größenvarianten S, M, L und XL. Gemeinsam ist ihnen 1 GB Speicherplatz je Mailbox. S bietet ein Postfach und 5 GB für Dokumente, M und L umfassen fünf beziehungsweise 25 Postfächer und 10 beziehungsweise 25 GB Dokumentenvolumen. XL eignet sich für bis zu 100 Mail-User, denen insgesamt 50 GB Speicher für Dokumente zur Verfügung stehen. Außerdem darf man je nach Variante ein bis zehn Web-Adressen mit den üblichen Domain-Endungen (auch .eu und .at) einrichten. Die Preise betragen zwischen 4,99 und 199 Euro pro Monat. Die Premium-Variante bietet 1&1 bei ansonsten gleichen Basisleistungen für 5,99 bis 299 Euro an. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt zwölf Monate. Man kann das Angebot 30 Tage kostenlos testen.

"Geistiger Vater" des Angebots ist offenbar Rafael Laguna de la Vera, ein Berater jener Investoren, die hinter Open-Xchange stehen. Er propagiert seit geraumer Zeit Hosting als ein besonders attraktives Geschäftsmodell für Open Source. "Die nächste Entwicklungsstufe von Open-Source-Geschäftsmodellen heißt Software-as-a-Service", erklärte er vor Monaten in einem Interview mit der COMPUTERWOCHE. Hoster hätten ihr Angebot ohnehin stark auf der Basis von Open-Source-Software aufgebaut sowie entsprechende Erfahrungen, und sie könnten quelloffene Anwendungen zu konkurrenzlos günstigen Preisen anbieten.

Closed-Source-Anbieter wie Microsoft können da nicht mithalten, so Laguna: "Die Preise für Office Live dürfen nicht so niedrig ausfallen, dass sie das äußerst profitable Office-Softwaregeschäft beeinträchtigen. Das bietet den Open-Source-Hostern eine schöne Angriffsfläche." 1&1 macht sich jetzt das Prinzip zunutze. Das MailXchange kostet maximal 5,99 Euro pro Monat (ein User in der Premium-Klasse) und sinkt ab 26 User (XL, Premium) auf 2,99 Euro.

Open-Xchange hofft, so ein Insider gegenüber der COMPUTERWOCHE, dass 1&1 mit dem Angebot ein Million User-Accounts erreicht. Das würde die Collaboration-Lösung zu einer der weltweit verbreitesten Open-Source-Anwendungen machen. Und für die Investoren würde sich der Wert dieser Firma beträchtlich erhöhen. (ls)

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